Montag, 9. Dezember 2019

Ein Babynest nähen

Es kursieren viele kostenlose Anleitungen für Babynester im Netz. Die von mir verwendete verlinke ich aber nicht, denn sie war schlecht. Wie man auf dem Foto sehen kann, ist es immens wichtig, dass die äußeren Rundungen wirklich kreisrund sind, damit es keine solchen Hörnchen wie rechts gibt:


Fenja wurde in eine Familie mit einem fürchterlich fußkalten Wohnzimmer geboren, Damit die Kleine es auch von unten warm hat, habe ich ihr eine Wollmatratze gefilzt, für die es auch zwei Bezüge gibt.
Der Boden des Nests wird in allen Anleitungen mit Volumenvlies verstärkt, eigentlich ist das Nest dann schon fertig. Aber was passiert, wenn das Baby ausläuft? Dann muss das ganze Nest in die Waschmaschine! Deshalb werde ich beim nächsten Nest das Volumenvlies weglassen und stattdessen wieder eine herausnehmbare Matratze filzen. Die kann man natürlich auch aus Volumenvlies oder ein paar Lagen Molton nähen. Babys müssen ja nicht weich gelagert werden. Meine Version mit Volumenvlies im Boden UND Matratze ist schon ziemlich dick:


. Hier sieht man die ganze Pracht: Nest, Matratze, Ersatzbezug:


Babynester sehen kompliziert aus, sind aber tatsächlich total einfach zu nähen. Die einzige Herausforderung war das Aufnähen des Bandes, in dem das Zugband verläuft. Und so sieht das aus, wenn man im Nährausch vergisst, den Oberfaden farblich anzupassen:


Wenn ihr also ein einfaches Projekt für ein Baby-Willkommensgeschenk sucht: So ein Nest ist toll und wird mit Sicherheit viel verwendet. Fenja jedenfalls ist darin sowohl vor ihren herumlaufenden Brüdern als auch vor der Kälte des Bodens geschützt.

Donnerstag, 21. November 2019

Strickzeitschrift? Nie wieder!

Im vorigen Jahr habe ich mir nach langer Zeit mal wieder eine Strickzeitschrift gekauft. Eine, auf die ich in den Vor-Internet-Zeiten immer sehnlichst gewartet, die ich gesammelt und bei jedem Umzug wieder sorgfältig verpackt habe. Dann kam Ravelry, und Zeitschriften wurden fortan nur noch in Bahnhofsbuchhandlungen durchgeblättert.

Nun war da aber diese spektakuläre Fransenjacke im Heft, in die ich mich spontan verliebt habe. Passendes Garn befand sich im Stash, das wusste ich. Also: Spontankauf.

Zuhause dann der erste Schock : Das für die Jacke vorgesehene Originalgarn hätte 250 € gekostet - ZWEIHUNDERTFÜNFZIG Euro - ich meine, geht's noch?
Ich stellte mir vor, ich hätte nicht meinen umfangreichen Stash mit selbstgefärbten Garnen, könnte nicht spinnen und damit das Idealgarn selbst herstellen, wollte die Jacke exakt so wie abgebildet.. Was für eine Enttäuschung musste das für die Käuferin des Heftes sein!

Mein eigenes Garn erwies sich als perfekt. Die Maschenprobe passte auf Anhieb, die Anmutung war nach Waschen und Spannen genau so, wie ich mir das gedacht hatte.

Dann die nächste Erkenntnis: Nach dieser Anleitung würde niemand stricken können! Die benötigten Teile werden schräg gestrickt, mit unregelmäßigen Ab- und Zunahmen an beiden Seiten. Und was enthielt die Anleitung? Fließtext! Mit allen drei möglichen Größen im selben Text, mit vielen verwirrenden Klammern und Formulierungen, die jeden Strickspaß, jeden Flow unmöglich machten. Mit nur einer winzigen Übersichtsgrafik, in der ich aber zumindest die grobe Strickrichtung erkennen konnte.

Also habe ich aus den Angaben der Anleitung ein Chart gezeichnet und dabei gemerkt, dass die "Anleitung" noch nicht einmal Zwischenergebnisse enthielt, an denen ich im Prozess hätte erkennen können, ob ich noch auf dem richtigen Weg war. Zudem gab es auch noch Fehler im Text. An einer Stelle stand zum Beispiel: "Die letzten 5(6/6) Maschen abketten." Aber diese Anzahl ergab sich nicht, wenn man die Maschenzahl vom Start und alle Zu- und Abnahmen ausrechnete! Gibt es in solchen Zeitschriftenredaktionen denn gar keine Qualitätskontrolle?

Durch die ungewöhnliche Strickrichtung war das Stricken lange völliger Blindflug. Für mich mit über vierzig Jahren Strickerfahrung war das nicht so dramatisch, ich hätte zur Not alles wieder aufgemacht. Aber wie hätte sich das wohl angefühlt, wenn ich tatsächlich 250 € für das Material ausgegeben hätte?

Nach dem Zusammennähen der Rumpfteile ergab sich dann auch noch, dass trotz perfekt passender Maschenprobe und korrekter Maschenzahl in Länge und Breite jeweils mindestens 5 cm zu den Angaben im Heft fehlten. An diesem Punkt hatte ich keine Lust mehr und habe nur noch versucht, ob ich das Ding noch irgenwie retten konnte.

Sorry, liebes Redaktionsteam der V. : Das war nicht nur Pfusch, das war einfach unverschämt! Und ich habe auch kein Interesse mehr, an einem anderen Stück auszuprobieren, ob es ein Ausreißer war oder ob solche Schlamperei bei Ihnen inzwischen zum Standard gehört. Für den Preis des Heftes hätte ich bei Ravelry jedenfalls eine probegestrickte Anleitung mit genauen Angaben, Grafiken und Bildern bekommen, vielleicht mit Links zu erklärenden Videos, und mit vielen Fotos von fertigen Stücken anderer Strickerinnen.
Ich fürchte, das Geschäftsmodell "Strickzeitschrift" ist nicht mehr zeitgemäß.

Übrigens habe ich diese Jacke bislang nirgends, also weder bei Ravelry, Pinterest, Instagram oder in einem Blog gesehen...

So, aber nun will ich euch noch zeigen, was für ein Träumchen aus der ursprünglich erhofften Jacke dann noch geworden ist: Eine federleichte Weste ohne Fransen, absolutes Lieblingsteil zu Shirt und Jeans. Und eine meiner Scarletts lernt ihr so auch mal kennen. Sieben Stück habe ich inzwischen davon genäht!



Ganz viele selbstgefärbte Garne mit 600 Meter Lauflänge, jeweils zwei davon zusammen verstrickt, Enden eingewoben.

Hier sieht man gut, dass die Teile so asymmetrisch sind, dass man sich die Zu- und Abnahmen nicht selbst erschließen kann.

Der Wurstverschluss :-)








Und das Strickheft ist im Papiermüll.

Donnerstag, 14. November 2019

Resteverwertung

Wenn man erst einmal damit anfängt, seine Unterwäsche selbst zu nähen, mag man ziemlich schnell keine Kaufslips mehr tragen. Jedenfalls ist es mir so gegangen. Neulich habe ich einfach alle noch übriggebliebenen gekauften Slips weggeworfen und durch selbstgenähte ersetzt:





Der Schnitt ist aus diesem Buch. Sitzt perfekt und ist ein günstiger Spaß: Neben einem Rest Jersey benötigt man knapp 2 m Wäschespitze und eine gute Stunde Zeit.

Die normale Wäschespitze gibt es wohl nur in Weiß und Schwarz, aber in vielen Stoffläden findet man interessante Elastikspitze, mit der ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe. Auch nach zig mal Waschen leiert da nix:




Vorsicht, das hat Suchtpotenzial - ich bin inzwischen faktisch permanent auf der Jagd nach interessanten Spitzen. So ein Miniprojekt für zwischendurch finde ich gerade sehr befriedigend - vor allem wenn der Tag lang und nervig war.

Das nächste Level sind nun passende Hemdchen zu den Hosen, aber das hat mit Resteverwertung dann nichts mehr zu tun.