Mit Erstaunen stellte ich in den letzten Jahren fest, dass viele Spinnerinnen mit einem Rad nicht zufrieden sind und sich ganze Harems halten. Ich dagegen blieb monogam, denn ich vermisste nie etwas: Egal, ob ich federleichtes Seidengemisch für einen Pullover oder ein rustikales Teppichgarn von ihm wollte, Bouclé oder dicke Raupen - mein Louet tat alles für mich.
Doch ich wurde älter, dann kam der Schmerz: eine fiese Verspannung im Rücken. Immer wenn ich viel gesponnen hatte, schimpfte meine Masseurin mit mir und sprach von einseitiger Belastung. Wenn ich aufs Spinnen verzichtete, war dagegen alles gut. Sollte ich mich etwa scheiden lassen von meinem Louet?
Während ich noch nachdachte, bekam ich die Möglichkeit, dieses Rad auszuprobieren (danke, Birgit!):
Ein Kromski, mit Doppeltritt. Ich mag es nicht, denn ich finde verschnörkelte Spinnräder nicht schön. Aber die inneren Werte! Wenn es nicht gerade wegen zu wenig Öl herumzickte, schnurrte es fast geräuschlos vor sich hin. Mit der schottischen Bremse kam ich bald klar, das Spinnen ging viel schneller als mit dem Louet - und das Beste: keine Schmerzen mehr, nicht ein bisschen. Auch die Masseurin war also mit dem Kromski zufrieden.
| das erste Garn, das wir zusammen gesponnen haben, das Kromski und ich. |
| der "Rückentest": gaaanz viel dünnes Garn mit 600 Meter Lauflänge |
Zum Zwirnen bin ich zum Louet zurückgekehrt, weil mir die Spulen vom Kromski einfach zu klein sind. Das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen...
| verzwirnt mit pflanzengefärbtem Filisilk ind Grüntönen |
... aber die Schmerzen waren auch sofort wieder da. Nun steht es also fest: Ich brauche ein Dopppeltritt-Rad.
Tja, liebes Louet, es sieht also so aus, als ob sich unsere Wege trennen müssen. Der Neue wird aber kein Kromski werden, da spare ich lieber, bis ich mir eines Tages ein Lendrum leisten kann. Wohlgemerkt EIN Lendrum, denn einen Spinnrad-Harem will ich nie haben...