Donnerstag, 1. August 2013

Ich bin fremdgegangen...

31 Jahre lang sind mein Louet S 10 und ich ein Paar gewesen. Wie bei den meisten langen Ehen war es eine durchaus wechselhafte Beziehung, aber wir wussten doch immer, dass wir zusammen gehören. In manchen Jahren haben wir riesige Mengen gemeinsam gesponnen. Es gab aber auch Zeiten, die das arme Spinnrad im Keller verbringen musste, weil ich nichts von ihm wissen wollte.

Mit Erstaunen stellte ich in den letzten Jahren fest, dass viele Spinnerinnen mit einem Rad nicht zufrieden sind und sich ganze Harems halten. Ich dagegen blieb monogam, denn ich vermisste nie etwas: Egal, ob ich federleichtes Seidengemisch für einen Pullover oder ein rustikales Teppichgarn von ihm wollte, Bouclé oder dicke Raupen - mein Louet tat alles für mich. 

Doch ich wurde älter, dann kam der Schmerz: eine fiese Verspannung im Rücken. Immer wenn ich viel gesponnen hatte, schimpfte meine Masseurin mit mir und sprach von einseitiger Belastung. Wenn ich aufs Spinnen verzichtete, war dagegen alles gut. Sollte ich mich etwa scheiden lassen von meinem Louet?

Während ich noch nachdachte, bekam ich die Möglichkeit, dieses Rad auszuprobieren (danke, Birgit!):


Ein Kromski, mit Doppeltritt. Ich mag es nicht, denn ich finde verschnörkelte Spinnräder nicht schön. Aber die inneren Werte! Wenn es nicht gerade wegen zu wenig Öl herumzickte, schnurrte es fast geräuschlos vor sich hin. Mit der schottischen Bremse kam ich bald klar, das Spinnen ging viel schneller als mit dem Louet - und das Beste: keine Schmerzen mehr, nicht ein bisschen. Auch die Masseurin war also mit dem Kromski zufrieden.

das erste Garn, das wir zusammen gesponnen haben, das Kromski und ich. 

der "Rückentest": gaaanz viel dünnes Garn mit 600 Meter Lauflänge

 Zum Zwirnen bin ich zum Louet zurückgekehrt, weil mir die Spulen vom Kromski einfach zu klein sind. Das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen...

verzwirnt mit pflanzengefärbtem Filisilk ind Grüntönen

... aber die Schmerzen waren auch sofort wieder da. Nun steht es also fest: Ich brauche ein Dopppeltritt-Rad.
Tja, liebes Louet, es sieht also so aus, als ob sich unsere Wege trennen müssen. Der Neue wird aber kein Kromski werden, da spare ich lieber, bis ich mir eines Tages ein Lendrum leisten kann. Wohlgemerkt EIN Lendrum, denn einen Spinnrad-Harem will ich nie haben...

Mittwoch, 17. Juli 2013

Die Birken geben ihr Bestes!

Die vielen Birkenschößlinge im Garten dürfen immer erst ein bisschen wachsen, bevor sie alle zusammen im Färbetopf landen. In diesem Jahr ergab die Rodung 777 Gramm Blätter und eine Überraschung!
Das Birkengelb des Jahrgangs 2013 leuchtet nämlich wie sonst nur Wau-Gelb und ergibt mit Indigo überfärbt bestimmt auch so ein superschönes Petrol.

Das ist nur ein Teil der Pracht - der dritte Zug hängt noch auf der Leine

Filisilk von Atelier Zitron - sooo weich und sooo farbintensiv




Montag, 15. Juli 2013

Ich besitze einen Schatz!

Auf dem  Sommerfest des Bielefelder Zonta-Clubs am 27. Juli stellen 14 Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen schöne Dinge aus, und ich bin dabei: Pflanzengefärbte Lacegarne, Seidentücher, die kleinen bestickten Täschchen aus Filz, Sommerstulpen aus hauchfeinem Nunofilz... Ich freu mich schon!

Da ich auf dem Fest gern auch mein pflanzengefärbtes Seidenstickgarn verkaufen möchte, habe ich das Garn auf Kärtchen gewickelt - und bin ganz baff! Normalerweise sieht der Kasten mit dem pflanzengefärbten Stickgarn nämlich so aus:



Das verkaufsfähige Garn dagegen so:




Welch eine Fülle! 41 verschiedene Farbtöne sind über die Jahre entstanden, und in jeder Färbesaison kommen weitere hinzu. Die meisten Farben habe ich auch als Strickgarn, aber so auf engstem Raum und mit dem unvergleichlichen Glanz der Seide ist die Wirkung überwältigend. Alle Farben meiner Welt in einer kleinen Schachtel - da liegt ein Schatz in meinem Schrank!

Wer nicht zum Zonta-Fest kommen kann: Das Seidengarn gibt es auch in meinem Shop!