Montag, 20. Juni 2011

Färben kann man auch im strömenden Regen...

... nur verkaufen tut man nix. Dies war mein Stand im Färbegarten des Umweltzentrums in Bad Salzuflen gestern morgen um 10 Uhr...



... und so sah es um 14 Uhr aus:


Aber ich will nicht jammern, denn es war trotzdem wieder schön. Ich habe viele nette Gespräche geführt, zum Beispiel mit Juliane, die es ein bisschen besser hatte und mit ihrem schönen Spinnrad wenigstens in einem Zelt sitzen konnte. 
Und die robusten Lipper ließen sich sowieso nicht beirren und wateten in Gummistiefeln und wie immer mit guter Laune über das Gelände.

Ich bin nun auch um die folgende Erkenntnis reicher: Bei einigen der Filzproben, die ich seit Jahren benutze, um die Möglichkeiten der Naturfärberei zu erläutern, habe ich wohl mal einen falschen Stift erwischt. Vermutlich wird mir auch nie wieder einfallen, mit welchen Farbstoffen ich diese Proben gefärbt habe :-(


Dienstag, 14. Juni 2011

Bunte Vorfreude!

Am Sonntag findet in Bad Salzuflen wieder der Umwelttag an der Heerser Mühle statt: Ein riesiges buntes Fest mit Öko-Anbietern und Kunsthandwerkern aus Ostwestfalen-Lippe, mit Clowns, Theater, Musik, vielen Initiativen, natürlich leckerem Bio-Essen und über 8.000 Besuchern! Die Atmosphäre ist immer toll und das Gelände sowieso umwerfend schön. 

Ich bin wieder mit einem Infostand im Färbergarten dabei. In diesem Jahr mache ich eine Krapp-Färbung zum Zugucken und verkaufe naturgefärbte Seidentücher und Strickgarne. Da ich meine Ware so spät wie möglich wasche (damit die Farben lichtechter werden bzw. weil ich mich so lange davor drücke, bis ich mich beeilen muss...), sehen im Moment alle Tische und Wäscheständer in Wohnung und Keller so aus:


Mein Farbspektrum ist in diesem Jahr ein bisschen blaustichig, weil ich noch zu wenig "warme" Farben gefärbt und sehr viel Material in meiner unendlichen Stockrosenfärbung versenkt habe. Die Zöpfe vorne rechts auf dem Tisch sind übrigens 18 große Crinkle-Schals aus Pongé-Seide - die mag ich selbst besonders gern.

Ich hoffe auf trockenes, möglichst kühles Wetter (schon mal versucht, bei 30° Wolle zu verkaufen?), am besten ohne Katastrophen - vor zwei Jahren wurde mein Pavillon in der Nacht vor dem Fest während eines Gewitters weggeweht. Deshalb meine Bitte an alle: Kräftig Daumen drücken!!!

Montag, 16. Mai 2011

Mein blaugraues Wunder - Färben mit schwarzen Stockrosenblüten

Kann man glauben, dass diese Stränge zusammen aus dem Farbbad gekommen sind?

Von oben: Mohair - Wolle-Seide vom Atelier Zitron - Bouretteseide - Schurwolle

Die Ergiebigkeit von schwarzen Stockrosen hat mich echt umgehauen - mit 500g Stockrosenblüten habe ich 5 Züge mit mindestens 500 g Material gefärbt und die Garne und Stoffe dabei jeweils über Nacht in der Flotte gelassen, um die Lichtechtheit zu verbessern. Noch der 5. Zug ergab auf Seide ein berauschend klares blaustichiges Eisgrau. Selbst auf Baumwolle ist das schöne Graublau tief und gleichmäßig aufgezogen - einfach der Hammer! Und als ich die Flotte schließlich weggegosen habe, war sie immer noch schwarz wie Tinte. 

Hier kommt ein Schwung Stockrosen-Seidentücher. Die Tücher links sind die Originalfarben aus verschiedenen Cochenillefärbungen, in der Mitte habe ich diese Farben mit den schwarzen Stockrosenblüten überfärbt, rechts ungefärbte Tücher aus dem gleichen Farbbad:


Und dies - taratara - ist das sagenhafte neue Wolle-Seide-Garn von Atelier Zitron, gefärbt mit Cochenille und Stockrosenblüten. Das Garn saugt die Farbe förmlich auf, und da die Seide die Farbe natürlich völlig anders annimmt als der Wollanteil, ergeben sich spektakuläre Effekte:


Von diesem tollen Garn gibt es 200g - falls jemand von euch daran Interesse hat, freue ich mich über eine Mail: britta.noack@web.de.

Für die Spezialisten kommen hier noch die Details zur Färbung:
500g getrocknete Blüten, gekauft bei Traub-Wolle. Eingeweichte Blüten 1 Std. bei ca. 70° C extrahiert, am nächsten Tag den ersten Zug eingelegt. Das Material (Wolle, Wolle-Seide, Mohair, Maulbeer- und Bouretteseide, Baumwoll-T-Shirts, Seidentücher, Tücher aus Wolletamine) habe ich nur mit Karin Tegelers Kaltbeize AL gebeizt. Für die Baumwoll-Shirts habe ich die Kaltbeize auf 90°C erhitzt und die Shirts danach mehrere Tage in der Beize liegengelassen. Insgesamt habe ich mit den 500g Blüten fast 3000g Material gefärbt. Reine Wolle und Mohair ergeben klares Grün, Seide in jeder Form wird petrol bis blaugrau.