Dienstag, 11. Oktober 2016

Herbstfeuer

Es ist die Zeit, in der die Gartenblogs in meiner Timeline leuchten. In den intensiven Bildern wird ein bisschen die Wärme des Sommers konserviert. Vielleicht mögt ihr ja auch so gern in Herbstfotos schwelgen wie ich. Deshalb habe ich einen kleinen Gartenrundgang für euch gemacht. Voilá!

Die unbekannte Schöne. Weiß jemand von euch, was das ist?

Herbstastern

Mangold

Zinnien - meine neue Liebe

Wohl die letzten in diesem Jahr, die an der Pflanze ausreifen

Meine Form der Gründüngung auf den Kartoffelbeeten

Salatzutat



Die Dahlie aus dem Elterngarten


Kapuzinerkresse - eine schöne Mutation



Färbervorfreude: der Grundstock für die nächsten Jahre :-)

Sonntag, 9. Oktober 2016

Lac Dye

Auch meine Rotholzbestände gehen zur Neige, auch mir fehlt eine unkomplizierte Quelle für klares Rot. Und natürlich bin auch ich über all die vielen schönen Schellackfärbungen begeistert, die in meiner Blogroll zu sehen sind.
Daher habe ich das Buch von Dorothea Fischer und 50 g Laccainsäure gekauft. Den letzten Anstoß dazu haben mir übrigens die tollen Bilder bei Farbenfaden gegeben.

Das Buch heißt "Lac Dye - Das königliche Rot aus der Natur Asiens"und hat mich extrem enttäuscht. Für den stolzen Preis von 28,99 € habe ich wirklich mehr erwartet als ein paar wenige Färberezepte und schlechte Fotos!

Der Band enthält zunächst einiges Wissenswerte über die Geschichte der Färberei mit Schellack sowie eine Reisebeschreibung einer Dame mitsamt einem englischsprachigen Einschub, dessen Notwendigkeit sich mir nicht erschlossen hat. Dann folgen Dorotheas Versuche, aus Stocklack Farbstoff zu extrahieren und danach einige wenige Rezepte für Laccainsäure mit den bei Dorothea Fischer üblichen erstaunlich großen Mengen an Farbstoff. Es gibt viele Bilder mehr oder weniger erfolgreicher Färbeaktionen. Da stehen dann Menschen um Färbetöpfe herum, in denen Fasern schwimmen. Die Bilder der gefärbten Fasern sind schlecht beleuchtet, inhaltlich wenig fokussiert und daher nichtssagend. Das lange Abschlusskapitel widmet sich dann Strickmustern, deren einzige Gemeinsamkeit die Umsetzung mit LacDye-gefärbten Garnen sind...
Ihr seht, ich habe mich sehr geärgert und hätte das viele Geld lieber in mehr Lac Dye investiert. Das Buch ist lediglich ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig ein professionelles Lektorat für die Qualität einer Veröffentlichung ist.

Die Laccainsäure ist als Farbstoff tatsächlich faszinierend und ergibt ganz wunderbar satte Rottöne:

Wolle (Lifestyle vom Atelier Zitron), Wolle-Seide (Seidenstraße vom Atelier Zitron) und Blue Faced Leicester im Band

Vor allem die tiefen Rottöne haben es mir angetan, die erreicht man sonst nur mit einer leichten Indigo-Überfärbungen von sattem Cochenillerot.

Dorothea Fischer verwendet ja keine Kaltbeize (warum eigentlich nicht?). Daher habe ich nach vielen Jahren mal wieder mit Alaun/Weinstein vorgebeizt, um auszuloten, ob es einen Unterschied zur Kaltbeize AL gibt. Und tatsächlich:

In der Mitte liegt der mit Alaun und Weinstein gebeizte Strang
Das Rot ist etwas wärmer als bei den Färbungen mit Material, das mit Kaltbeize AL gebeizt wurde. 

Gefärbt habe ich mit 5% Lac Dye in zwei Zügen. Beide Züge habe ich in der Flotte auskühlen lassen. Die Ergebnisse des zweiten Zuges wurden dann komplett mit Cochenille und Indigo überfärbt, da sie nur ein helles Pink ergeben hatten. Allerdings enthielt der erste Zug einen hohen Anteil Lifestyle vom Atelier Zitron, und dieses Garn saugt jede Farbe auf wie ein Schwamm. 

Was mir am Färben mit Lac Dye gefällt: Es werden nur die Ausscheidungen der Läuse verwendet und nicht die Tiere selbst. Bei der Arbeit mit Cochenilleläusen kann ich nie ausblenden, dass für meine bunte Wolle Tiere gezüchtet und getötet werden. 
Auch die Nachbehandlung der gefärbten Fasern ist etwas einfacher als bei Cochenille, denn die Fasern bluten nicht so aus, so dass nur wenige Spülgänge reichen.

Allerdings ist Lac Dye durch die Extraktion der Laccainsäure einfach nur ein Pulver, das man in Wasser einrührt. So ähnlich stelle ich mir das Färben mit Säure- oder anderen synthetischen Farbstoffen vor und finde es wenig sinnlich. All das Haptische des Sammelns, Schneidens, Mörserns und Auskochens, die verschiedenen Gerüche - alles was ich an der Färberei so liebe, fällt komplett weg und wird auf "Wolle-wird-Rot" reduziert. Während sonst der Weg mein Ziel ist, ist das Färben mit Lac Dye rein ergebnisorientiert. Aber auch das hat ja seine Berechtigung.

Inzwischen bekommt man das Lac Dye-Pulver bei vielen Shops, die Zutaten für die Färberei verkaufen. Ich frage mich, wie es bei einem natürlichen Produkt möglich ist, den plötzlich so großen Bedarf der Färberinnen so schnell zu decken. Vermutlich ist der indische Markt jetzt leergefegt, und es nur eine Frage der Zeit, bis minderwertiges oder gefälschtes Lac Dye auf dem Markt auftaucht.

Sollten wir Pflanzenfärber in unserer Farbpalette vielleicht auf klares Rot verzichten? Wie ist die Produktion von Lac Dye organisiert? Ist es in diesem Fall sinnvoll, auf synthetischen Farbstoff auszuweichen? Ich bin sehr unsicher.

Aber abgesehen von diesen Skrupeln ist das Ergebnis der Farbaktion wunderschön. Dies ist mein aktuelles Lieblingsgarn, ein Lacegarn mit 10% Angora. Es ist mit Lac Dye, Cochenille, Krapp und Dahlien gefärbt  und bereits auf den Nadeln.





Dienstag, 4. Oktober 2016

12tel Blick im September

Wie immer ein paar Tage zu spät kommt heute noch mein Beitrag zu Tabeas 12tel Blick.

Das Terrassenbeet im September ist malerisch verwahrlost. Ich mag es ja, wenn es im Herbst wild zugeht und konzentriere mich lieber aufs Ernten als darauf, Blumenbeete in Schach zu halten. Ist das Pennisetum nicht ein Traum? Davon habe ich insgesamt vier Stück im Garten verteilt. Hach...


Der Bauch des Gartens verdaut. In diesem Jahr habe ich es geschafft, die Komposthaufen regelmäßig umzusetzen, so dass schon jetzt ein ganzer Kubikmeter fertig ist. Der viele Kaffeesatz, den ich aus der Kantine mitnehmen darf, hat für ein Wurmparadies gesorgt. Da geht es schneller.
Die lila Wolke der Herbstastern wird bei der Umgestaltung ich im nächsten Jahr etwas ausgedünnt und an mehreren Stellen im Garten verteilt. Man kann sich daran einfach nicht sattsehen. Und die Insekten werden sich freuen.


So, nun aber wieder auf zur Wollwäsche. Ich bin bald fertig. In der Werkstatt sieht es schon so aus: