Sonntag, 30. August 2015

Filzkurs für Anfänger an der Heerser Mühle

Das hat Spaß gemacht! Für einen Samstag ganz nach meinem Geschmack nehme man...
  • die inspirierende Umgebung des Umweltzentrums Heerser Mühle
  • eine große Prise Sonnenschein und laue Luft (danke, Uli!)
  • einen Berg bunter Filzwolle
  • warmes Wasser
  • Olivenseife
  • elf hoch motivierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer
... und heraus kommt dies:




konzentriertes Arbeiten

ein Teil der Ergebnisse

Der einzige Wermutstropfen dieses rundum gelungenen Tages: Die Arbeitshöhe der Tische ist nicht für Erwachsene geeignet. Beim nächsten Mal muss ich also unbedingt an Holzklötze denken. Aber dann: Wiederholung garantiert!


Donnerstag, 13. August 2015

Vorfilz im Farbverlauf

Meine Werkstatt bietet endlich Platz für ausladende Farbspielereien. Darf ich euch zeigen, wie die Geburtstagstücher für Babsi und Birgit entstanden sind? Viel Spaß beim Gucken!

Das Material: pflanzengefärbtes BFL 

Zunächst einmal kardiere ich die Zwischentöne. Es sind jeweils drei, damit die Übergänge schön sanft werden.

das Ergebnis - nun kann es losgehen!
Damit der Vorfilz später organischer aussieht, arbeite ich schräg

Für die Stabilität lege ich von jeder Farbe eine möglichst dünne Lage quer. Dann kommt eine einzige Schicht in Längsrichtung darauf, die sich mit der vorhergehenden Farbe jeweils ein wenig überlappt. Die Breite der einzelnen Farbtöne wird also durch die Stapellänge der Wolle bestimmt. Bei Blue Faces Leicester sind das etwa 10 cm.
Der Plan war eigentlich ein kompletter Regenbogen-Vorfilz. Nun sehe ich ein: bei 10 cm pro Farbnuance ist sogar mein großer Arbeitstisch dafür zu kurz! Also wird das Projekt kurzerhand in zwei Etappen aufgeteilt.

Teil 1 ist fertig. Nun wird eingerollt und angefilzt



Na bitte, das hat ja prima geklappt. Die Übergänge zwischen den Farbtönen sind kaum zu sehen.




Teil 2 im Entstehen

Nach dem Trocknen schneide ich mit Hilfe einer Leiste Streifen aus dem Vorfilz, die ich dann in Quadrate teile.
Sorry - mein geliebter roter Boden ist recht dominant...

Nun kann gespielt werden!
Quadratspielereien auf Wolletamine (mit Krapp gefärbt)

Tusch und Trommelwirbel: hier sind die beiden fertigen Tücher!




Sonntag, 9. August 2015

Schilfblütenzeit

Was hat sich unser Schöpfer eigentlich dabei gedacht, als er den Schilfblüten die Fähigkeit mitgab, Wolle neongrün zu färben? Wer braucht das da draußen im Sumpf?

Digitalkameras können solche Pracht nicht korrekt einfangen, aber die Färberinnen unter euch wissen ja, was ich meine. Für die anderen habe ich einen (gelben) Marker als Anhaltspunkt dazugelegt. 



Mit diesem geradezu absurden Grün kann man auf jeden Fall zuverlässig Menschen verblüffen, die Pflanzenfarben nur mit zarten Pastellfarben assoziieren.





Freitag, 7. August 2015

Sommergarten 3: Blumenpracht

Mit einer überquellenden Rosenblüte, wie sie in vielen Gartenblogs zu bewundern war, kann unser Garten noch nicht dienen. Die einst vorhandenen Rosen sind zum größten Teil dem Bagger zum Opfer gefallen, die neuen habe ich erst in diesem April gepflanzt. Aber immerhin eine davon hat uns schon einen winzigen Vorgeschmack auf das Feuerwerk des nächsten Jahres gegeben:

Strauchrose "Westerland" mit kunstvoll gezackten Blütenblättern

Wenn das mal nicht der Anfang einer Sucht wird...

Meine momentane Liebe gilt aber noch den Wildblumen. Viele von ihnen säen sich immer wieder selbst aus, wenn die Beete nicht gemulcht oder gehackt werden - z.B. Klatschmohn, Kamille, Wucherblumen, Mutterkraut, Ringelblumen oder diese Hummelfreunde hier:


Auch die Jungfer im Grünen ist zuverlässig. Vor drei Jahren zum ersten Mal mit Absicht gesät, taucht sie nun überall von selbst auf und bezaubert mit ihrer filigranen Struktur:


Am liebsten streue ich einfach ein buntes Gemisch verschiedener Samen aus und freue mich dann, was die Natur daraus macht. Gerade für große Gärten oder wenn man wenig Zeit hat, ist das eine gute Methode, billig und sehr schnell Farbe ins Beet zu bekommen und jeden Tag etwas Neues entdecken zu können. Im April aussäen, später noch Brennnesseln und Baumspinat herausziehen (der sich bei uns anschickt, die Weltherrschaft zu übernehmen) - und einfach freuen! Vor allem die Samenmischungen, die es bei Bingenheimer gibt,  sind umwerfend schön.

unbekannte Schönheit


Im Moment kann man ja meist bis spät in die Nacht draußen sitzen. Das ist die Zeit der Nachtkerzen, die tagsüber ganz unscheinbar aussehen, mit Einbruch der Dämmerung aber zum umschwärmten Treffpunkt sämtlicher Nachtfalter werden. Sie duften betörend schön.

Nachtkerzen


Nun macht sich schon die "Spätschicht" des Jahres bereit. Die Goldrute und die Herbstanemonen am Bach haben schon Knospen und auch die ersten Teller der Sonnenblumen sind bereits aufgeblüht:



Fehlt noch was? Na klar, bei einer Färberin gibt es natürlich auch färbende Blumen zu sehen, auch wenn ich den "richtigen" Färbergarten erst im nächsten Jahr gestalten will. Im Moment blühen zum Beispiel Rainfarn, Goldrute, Färberkamille ...

Färberkamille...

...und Stockrosen. Aber die erstaunlichen Stockrosen haben auf jeden Fall noch einen eigenen Post verdient.

Das war es mit der kleinen Gartenserie bei Filz & Faden. Ab sofort gibt es hier wieder Wolle zu sehen. Zumindest bis zur Kartoffelernte...

Donnerstag, 6. August 2015

Sommergarten 2: Gemüseernte

Mein Vater mit seinen ordentlich gepflegten und akribisch gehackten Saatreihen muss immer ganz tapfer sein, wenn ich ihm Fotos aus meinem Gemüsegarten zeige:


Das scheinbare Chaos ist allerdings genau geplant: Gemüsebeete, zwei Kräuterbeete und ein Tomatenhochbeet. Die Bepflanzung in Mischkultur rückt dabei jedes Jahr um ein Beet weiter, um den Boden zu schonen. Weil es sechs Beete sind, kommen die Möhren so nur alle sechs Jahre auf denselben Platz und sind gesunder. Das muntere Durcheinander von Gemüsepflanzen, Kräutern und Blumen führt dazu, dass ich kaum Probleme mit Schädlingen habe. Und auch die Schnecken richten endlich kein Unheil mehr an. Seit ich den Kaffeesatz der großen Kaffeestation in der Kantine großzügig und regelmäßig überall verteile, ist ihnen wohl der Appetit vergangen.
Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Ertrag diese sechs Beete abwerfen, die zusammen  nur knapp 50 qm Fläche haben. Neben Radieschen, Rucola, Salat und massenhaft Kohlrabi freue ich mich im Moment vor allem über mein...


Lieblingsgemüse Dicke Bohnen
Sie sind eigentlich keine Bohnen, sondern eine Wickenart und schmecken herrlich nach Kinderzeit und Großmutters Küche. Schon als Babys sind sie imposant:

März

Juni. Ein Meter hoch und windfest


Die Bohnen liegen in den riesigen Hüllen wie in einem Bett aus Schaumstoff



Zugegeben -  das Verhältnis zwischen Abfall und Ernte ist ein bisschen ... nun ja .... unausgewogen. Aber beim Kompostieren geht ja nichts verloren. Die gigantischen Stickstoffsammler tun zudem noch was für den Boden. Und die Bohnen sind sooo lecker! Drei Reihen mit je 1,20 m ergaben in diesem Jahr 1700 g Endergebnis auf dem Teller bzw. im Gefrierschrank.

Erbsen
Zuckerschoten schaffen es bei uns selten bis in die Küche. Die meisten werden von Simon und seinen Freunden direkt am Beet gefuttert, sonnenwarm und süß und knackig. Der sommerigste Sommergeschmack, den man sich vorstellen kann. Gelegentlich kann ich ein paar Schoten  retten, so dass es für Woknudeln mit Knnoblauch und Zuckerschoten reicht.
In diesem Jahr aber war ein Teil der Erbsen schon fertig ausgereift, als wir aus dem Urlaub zurückkamen, und so gab es zum ersten Mal Zuckererbsen satt (ausgepalt waren es 1200 Gramm)!





Buschbohnen
Ich bevorzuge die gelben "Helios", weil sie genauso gut schmecken wie die grünen, sich aber nicht so gut verstecken können. Ein paar der unverwüstlichen "Saxa" kommen dazu, damit das Bohnengemüse schön bunt aussieht. Im Moment wachsen die Buschbohnen schneller als man gucken kann. Die Blütenansätze bei den Stangenbohnen sind ebenfalls startklar.



... und dann gibt´s hier auch noch ein ziemlich ordinäres Gemüse...


... das ich im Essen verstecken muss, weil der große und der kleine Mann keine Zucchini mögen. Aber das scharfe Chutney essen sie mit Begeisterung. Pssst, nicht weitersagen, was da drin ist...


Sommergarten 1: Das Wunder Biomasse

Dies ist der vierte Garten in meinem Leben. Eigentlich sollte ich mich also inzwischen daran gewöhnt haben, dass und wie sich die Natur übers Jahr entwickelt. Aber ich staune jedes Jahr aufs Neue über das große Wunder, wie durch die Kraft der Sonne so viel Grünes keimt und wächst und dann im Winter in den Boden zurückkehrt. Ein paar Beispiele gefällig?

Der Tothokzhaufen am Bach im März...

... im Mai ...

... und Ende Juni

Eine meiner Lieblingspflanzen ist die Königskerze. Meist bringe ich es nicht übers Herz, die kleinen Sämlinge mit den flauschigen Blättern auf den Kompost zu tragen. Deshalb leben wir inzwischen in einer Art Königskerzenwald. Am Ende des ersten Jahres bilden die ehemals unscheinbaren  Pflänzchen schon eine beachtliche Rosette, die grün überwintert...


... um sich dann im zweiten Jahr mit einer riesigen Fackel aus Hunderten von Blüten gen Himmel zu strecken:


Beeindruckend ist auch die Entwicklung im Pflanzjahr:

Der neu angelegte Vorgarten Anfang März... 

... und im August

Am Zaun zum Nachbarn habe ich ein Beet mit hohen Strauchrosen angelegt. Die müssen sich natürlich erst einmal einleben, bevor sie durchstarten können. Daher habe ich dort eine Prise Einjährige verteilt - damit es im ersten Jahr nicht so kahl aussieht.

Vor der Bepflanzung im April 2015


August 2015. Hat eindeutig geklappt...

Jahresvergleiche sind auch verblüffend. Als ich den Garten vor zwei Jahren übernahm, ließen wir die üble Koniferenreihe entfernen, die in den Achtzigern in Mode gewesen war und nun die Sonne nahm und den Boden auslaugte ( Es gibt immer noch Leute, die ihr Grundstück mit billigen Thuja einfrieden. Sie werden es schnell bereuen und das Fällen wird teuer).

Auf der Brache legte ich einen großzügigen Kompostplatz an, die Vogelschutzhecke, ein Staudenbeet für die Pfingstrosen und das erste Kartoffelbeet. Das sah dann so aus:

Juni 2013 und ...

... Juni 2015. Der Zaun? Ja, der ist noch da. Glaube ich jedenfalls.

Diese Vergleiche sollte man sich öfter vor Augen führen. Wenn ich jetzt sehe, was für eine dichte Hecke aus den wurzelnackten Stecken geworden ist, die ich erst vor zwei Jahren gesetzt habe, wird mir bewusst, dass ich im letzten Winter wohl doch zu viele Sträucher im Vorgarten verteilt habe. Und dabei hatte ich mich doch schon zurückgehalten. Oh je...

Übrigens: Wer solche Fotoserien mag, dem empfehle ich Tabeas tolle Aktion Der Zwölftel Blick, die zum genauen Hinschauen, Vergleichen und Genießen einlädt. Ich glaube, da mache ich im nächsten Jahr auch mal mit...


Und beim nächsten Mal gibt´s hier Gemüse zu sehen!


Sonntag, 2. August 2015

Lieblingsgestrick

Es begann im vorigen Jahr mit einer Solarfärbung, die aus einem Strang Trekking vom Atelier Zitron, übriggebliebenen Blauholzspänen vom Färbekurs und ein paar Färberkamilleblüten aus dem Garten bestand. Da wir zu dem Zeitpunkt mitten in der Umzugsphase steckten, stellte ich das Glas in eine Ecke und vergaß es. Als ich es wiederfand, sah die nasse Wolle aus wie einer dieser Putzlumpen, mit denen ich täglich auf der Baustelle hantierte. Aber wie staunte ich, als der Strang getrocknet war! Ein Traum!


Die Farben hatten nichts mit Lilablau und Knallgelb zu tun, so wie man es bei den beiden verwendeten Farbstoffen eigentlich hätte erwarten können. Stattdessen Erdtöne, lebendiges Grau in vielen Schattierungen, Dunkelblau und ein sanftes Oliv.
Ich strickte daraus Socken für Martina, die Erdiges zu schätzen weiß.


Jede einzelne Masche war eine Überraschung und das Ganze so stimmig, dass aus dem Rest der Wolle gleich noch ein paar Stulpen entstanden:


Diese Stulpen passen wie kleine Chamäleons zu vielen Teilen meiner Garderobe und sind häufig im Einsatz. Schnell war klar: Eigentlich hätte ich gern in diesen Farbtönen noch einen kurzen Poncho oder einen Kragen. Ob sich so eine Überraschungsfärbung wohl duplizieren ließ? Einen Versuch war es wert. Und so füllte ich ein Glas mit drei Strängen Wolle-Seide, Blauholzspänen und Färberkamille:


Nein, es klappte nicht auf Anhieb. Zuerst war zu viel Blau im Garn und ungefärbte Stellen. Dann fürchtete ich, dass allein durch die Bewegung des Glases alles gleichmäßig Blau werden würde. Blauholz kann ja ziemlich dominant sein :-)
Erst nach einem weiteren mehrwöchigen Bad ohne Blauholz und mit einer größeren Menge Färberkamille war ich zufrieden:


Als Muster wählte ich den Victorian Neck Cozy , auf den ich schon lange ein Auge geworfen hatte, weil er von oben gestrickt wird. Ich habe ihn um einen Musterchart mit den entsprechenden Zunahmen verlängert, damit es kein Kragen, sondern ein Kurzponcho wurde, der auf Höhe der Armbeuge endet.



Die Färbungen sind nicht ganz identisch geworden, was auch damit zu tun hat, dass ich zwei verschiedene Materialien gefärbt habe. Aber sie passen perfekt zusammen!


Seit dem Winter trage ich den kleinen Poncho nun, mal mit und mal ohne Stulpen. Gerade jetzt im Sommer, wenn wir abends lange draußen sitzen, tut er mir gut. Die Länge und der Schnitt sind ideal, denn man hat die Arme frei und trotzdem warme Schultern - praktisch beim Filzen, Brotbacken, Abspülen, Unkraut jäten...

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