Dienstag, 15. Dezember 2015

Pink und Gelb - eine Auftragsfärbung

Ein wirklich schönes Projekt hat mich über den Sommer begleitet: 1350 Gramm flauschig weiches und perfekt versponnenes Mohairgarn für ein Kuscheldecken-Webprojekt sollte mit Cochenille-Pink und zwei Gelbtönen gefärbt werden. Wenn ich es richtig verstanden habe, kennt die Kundin die wollspendenden Ziegen sogar persönlich.

Die Menge erschien mir zuerst ein Problem zu sein, da ich in meinem 30-Liter-Färbetopf unmöglich so viel Garn gleichzeitig färben kann. Aber Cochenille funktioniert auch als Kaltfärbung, wenn man ein bisschen Zeit hat. Deshalb habe ich die Herausforderung angenommen.

Der Karton enthielt einen flauschig-weichen Springteufel - nach dem Öffnen quollen die befreiten Fasern sofort heraus
Der Anfang gestaltete sich zäh. In diesem Sommer war mal wieder gefälschtes Cochenille im Umlauf. Nachdem ich im zweiten Anlauf endlich gute Läuse bekommen hatte, war ich sehr misstrauisch und machte sicherheitshalber erst einmal einen kleinen Test mit Sockenwolle. Ich hatte solche Angst, das traumhafte Garn aus Versehen mit Cochenille-Teer zu versauen und habe die Läuse zweimal durch Seide gefiltert. 

Tschakka - nun geht es los. Der 90-Liter-Maurerküben bietet genug Platz und wärmt sich in der Sonne schön auf.

Nach einer Woche Kaltfärbung habe ich den Inhalt des Kübens in drei Teile aufgeteilt und getrennt erhitzt. Das Ergebnis: gleichmäßig gefärbte Stränge, die vor dem Waschen erst einmal getrocknet wurden.


Die Entstehung der Gelbtöne (Zwiebelschalen in Stufenfärbung und grüne Haselnuss) habe ich hier schon einmal gezeigt. Und das ist nun die ganze Pracht des Garns...



... das ich dann nach dem Waschen und Trocknen irgendwie wieder in das Springteufel-Paket gequetscht habe. Es ist mir fast ein bisschen schwer gefallen, das Garn wieder herzugeben. So ein Traumflausch!

Mich hat das Vertrauen übrigens sehr berührt, durch das diese Färbung möglich wurde. Während ich noch überlegte, wie man so einen Färbeauftrag denn wohl rechtlich darstellen könne und wie man  einen Werkvertrag formulieren müsste, hat die Kundin mir das teure Garn einfach zugeschickt. Ohne Sicherheit und ohne dass wir uns jemals kennengelernt haben. Sie hat auch monatelang geduldig gewartet, bis Cochenille-Probleme, Beizen und die langsame Färbung schließlich fertig waren. Vertrauen gegen Vertrauen. Schön, dass so etwas noch möglich ist!

Es hat mir eine große Freude gemacht, dieses schöne Garn färben zu können. Ob die geplante Decke wohl schon fertig ist?


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